Donnerstag, 29. Dezember 2011

Lernen mit Web 2.0 Technologien

In der heutigen Wissensgesellschaft ruft die Kombination der Schlagwörter „Web 2.0“ und „Lernen“ bei bildungswissenschaftlich interessierten Lesern oder Zuhörern oftmals die Assoziation „Neue Lernkultur“ hervor. Das Web 2.0 und damit verknüpft (oder sogar synonym verwendet) Social Software Anwendungen sind heute eng verbunden mit dem Begriff des lebenslangen Lernens. 

Digitale Medien unterstützen nicht nur Lernprozesse in Unternehmen, sondern auch in Bildungseinrichtungen wie Schulen und Hochschulen. Eulert und Seufert bezeichnen die Pionierphase des Einsatz digitaler Medien in der Hochschullehre dabei als abgeschlossen und sehen im Einsatz digitaler Medien heute eine nachhaltige Implementation von Nöten, um Lernprozesse effizient zu unterstützen (Euler & Seufert, 2005, S. 4). 

Aufgabe der Hochschule ist es dabei nicht nur Lernumgebungen bereit zu stellen, sondern sie trägt auch die Verantwortung den Studierenden Medienkompetenz und Medienbildung zu vermitteln, um aktiv kommunizieren und partizipieren zu können (Bader, 2009, S. 88). 

Das heute aufgrund der verkürzten Halbwertszeit von Wissen und sich rasch wandelnden Technologien notwendig gewordene lebenslanges Lernen, kann nicht dauerhaft organisiert und formalisiert in institutionalisierten Bildungsinstitutionen wie der Schule oder der Hochschule ablaufen. Im beruflichen Kontext wird prozesshaft durch das Stellen von Fragen, Beobachtungen oder auch nach dem Trial and Error Prinzip gelernt. Dieser Bereich ist dem informellen Lernen zuzuordnen. 

Informelles Lernen findet selbstorganisiert statt und nimmt dabei einen großen Teilbereich des Lernens ein. Wann, wo und wie gelernt wird, ob bewusst oder unbewusst, nebenbei, gezielt oder alles parallel ist nur schwer zu unterscheiden. Dabei ist der Grad des intentionalen, bewussten und reflexiven Lernens unterschiedlich ausgeprägt und wiederum von diversen Faktoren beeinflusst. Nur ca. 30% aller Lernprozesse finden in formalisierten Lernumgebungen statt (Baumgartner, 2009, S. 506). Dem informellen Lernen, unterstützt durch Web 2.0 Technologien wurde noch vor 10 Jahren nur wenig Aufmerksamkeit in der wissenschaftlichen Forschung geschenkt (Günther Dohmen, 2001, S. 2). 

Deutlich mehr Augenmerk kam dabei dem Lerner als solchem zu – sich verändernde Lernparadigma gestalteten den Bereich der lerntheoretischen Konzepte und Modelle und brachten immer wieder neue Ansätze und Perspektiven hervor. 
Der Behaviorismus zu Beginn des letzten Jahrhunderts sah den Lerner noch als passives Individuum, welches auf einen Reiz reagiert. Lernen wurde auf Verhaltensveränderung durch ein Reiz-Reaktion-Schema reduziert (Kolesnik, 1978). 
Mit der kognitiven Wende in den 60er Jahren des Jahrhunderts wird das Verstehen des Lernenden als wichtigem Prozess postuliert. Eine bloße Reaktion auf einen Reiz wird zugunsten eines bewussten Lernprozesses durch den Lernenden abgelöst. Lernen wird jetzt als ein Informationsverarbeitungsprozess verstanden, welcher nicht von außen steuerbar ist. Der Lernende rezipiert nicht mehr nur Faktenwissen sondern weiß jetzt auch um die dahinterliegenden Prozesse und soll in die Lage versetzt werden, Probleme durch die Anwendung spezieller Methoden zu lösen (Bruner, 1981). 
Bruner liefert dabei nicht nur einen wertvollen Beitrag zur kognitiven Wende sondern stellt auch Anknüpfungspunkte für die konstruktivistischen Lerntheorien bereit. Lernen wird jetzt als zweiseitig ausgerichteter aktiver, selbstgesteuerter und konstruktiver Prozess verstanden. In situativen Kontexten wird Wissen auf der Grundlage des eigenen Erfahrungs- und Wissenshintergrund konstruiert und auch unter Einbezug sozialer und emotionaler Faktoren diskutiert (Mandel & Winkler, 2002). Neben dem Ansatz des Problemorientierten Lernens finden sich zudem instruktionale Aspekte, ebenfalls aufgekommen mit der kognitiven Wende, im konstruktivistischen Konzept wieder. Der eigenaktive und konstruktive Lernprozess wird durch den Lehrenden im Rahmen eines formalen Bildungssettings angeleitet, aktiviert und gefördert. Dem Lehrenden kommt dabei eine beratende und unterstützende Rolle zu, wobei er die Balance zwischen Instruktion und Konstruktion halten muss. Die folgende Abbildung, angelehnt an Reinmann-Rothmeier und Mandel soll dies verdeutlichen.
Balance zwischen Instruktion und Konstruktion
 nach Reinmann-Rothmeier & Mandl, 2001 (Mandl & Kopp, 2006, S. 9)
Diese Entwicklung haben die neuen Technologien gravierend mitgestaltet und beeinflusst. Die Informatisierung ist ein wesentlicher Bestandteil der Gesellschaft geworden, Informations- und Kommunikationstechnologien finden in zahlreichen Ausprägungen, in vielfältigen gesellschaftlichen Bereichen, Anwendung und entscheiden über Lebenschancen und gesellschaftliche Partizipation (Hauf, 1996, S. 83; Preußler, 2008, S. 17). 

Mit den neuen Veränderungen in der gesellschaftlichen Struktur wird der Produktionsfaktor Wissen entscheidend - die Ressource Wissen wird in der westlichen Gesellschaft zunehmend höher gehandelt als die zuvor vorherrschenden Ressourcen wie Rohstoffe, Kapital und Arbeit (Heinrich-Böll-Stiftung, 2004, S. 74; Rolff, 2010, S. 179). Im Unterschied zu dem eher technologisierten Begriffsverständnis der Informationsgesellschaft rücken in der Wissensgesellschaft die menschlichen Fähigkeiten sowie Einstellungen und Werte in den Vordergrund (Mandl & Reinmann-Rothmeier, 2000, S. 7). Während in der Informationsgesellschaft eher die Effizienz und Effektivität neuer Informations- und Kommunikationstechnologien in den Mittelpunkt gestellt wurden, zeigt sich das neue Gesellschaftsmodell ganzheitlich, in der Art, dass neben der Technik jetzt auch Organisation und Mensch in den Fokus genommen werden (Kübler, 2005, S. 93; Mandl & Reinmann-Rothmeier, 2000, S. 7). 

Das Individuum rückt in den Mittelpunkt, der Lernende und sein Lernprozess werden stärker fokussiert (Kuwan & Waschbüsch, 1999, S. 20) – Wissen ist dabei immer an eine Person gebunden. Man spricht heute in diesem Zusammenhang von einer neuen Kultur des Lernens und Lehrens, unterstützt und optimiert durch neue Informations- und Kommunikationstechnologien. 

Der Mehrwert dieser Unterstützung kommt aber erst in optimal gestalteten Lernumgebungen zum Tragen. Es gibt dabei nicht die eine Lernumgebung, die zu jedem Lerngegenstand passgenau eingesetzt werden kann. Rahmenbedingungen, Einflussfaktoren, didaktische Konzepte müssen genau auf den Bedarf der Lernsituation angepasst werden . Die technischen Möglichkeiten hatten sich in den vorangegangenen Jahren enorm verändert, durch das Web 2.0 war eine neue Form der Medienkommunikation ermöglicht worden. Es bietet viele verschiedene Möglichkeiten, welche formales oder informelles, selbstorganisiertes Lernen fordern und unterstützen. Web 2.0 Technologien ermöglichen es klassische Strukturen von formalen Lehrveranstaltungen aufzubrechen und räumlich-zeitliche Dimensionen zu überwinden. 

Weblogs und Wikis als Kooperations- und Kollaborationswerkzeuge beispielsweise befördern das selbstorganisierte Lernen, da sie dem Lernenden eine hohe Eigenaktivität abfordern, die Kommunikation unter den Lernenden anregen und der Lernfortschritt transparent und nachvollziehbar bleibt (Bernhardt & Kirchner, 2007, S. 24; Preußler, 2010, S. 160; Schulz-Zander & Tulodziecki, 2009, S. 41). 

Selbstorganisiertes Lernen wird hier verstanden als ein individueller und konstruktiver Lernprozess, bei welchem der Lernende an bestehendes Wissen neue Erfahrungen aus seiner Lebenswelt anknüpft und dadurch neues Wissen konstruiert. Es setzt eine aktive Beteiligung und positive Emotionen, Motivation sowie soziale Kommunikation und Interaktion voraus (Hoidn, 2010, 143 f.). 

Das Lernen mit neuen Medien unterstützt somit nicht nur den individuellen Lernprozess sondern auch das Lernen in der Gruppe, welches im nächsten Kapitel tiefergehend am Beispiel des Einsatz von Wikis in der Hochschullehre betrachtet werden soll. 



--------
daran hab ich jetzt gedanklich ewig rumgekaspert, Literatur gesammelt, überlegt, formuliert, geschoben... am Ende sieht es nach nichts aus und muss auch noch überarbeitet werden. Irgendwie frustrierend :-/

Aber ich hake Kap 2 zumindest als Grobentwurf schon einmal gedanklich ab - ist ja auch was wert. :-)

Auf gehts zu Kap 3. Das soll nach Möglichkeit ebenfalls in den nächsten Tagen fertig werden.

Idealziel: Kap 4 noch vor Schulbeginn als Grobentwurf stehen zu haben, da ab Mitte Januar die zweite Befragungsphase folgen soll und ich zum Schulbeginn wieder vieles andere zu tun habe.... Zeugnisse stehen auch bald an...

Kommentare:

  1. Wirst du das Kapitel noch weiter untergliedern, oder lässt du das mal so stehen?

    AntwortenLöschen
  2. Ich lasse es erstmal so stehen. Falls ich bei der Überarbeitung noch die fehlenden Punkt von meiner Smartboard MindMap http://endspurtmaster.blogspot.com/2011/12/kap-ii-entsteht-oder-ordnung-ist-das.html ergänze, denke ich auch, dass ich es untergliedern müsste. Im Moment habe ich aber geplant, diese Punkte mit in Kapitel 3 zu bearbeiten.
    Würde eine Untergliederung allerdings gerne vermeiden, da das Kapitel einen groben Abriss darstellen und zum eigentlich Thema, der Arbeit mit Wikis, hinführen soll.
    Werde deinen Hinweis aber im Hinterkopf behalten, wenn ich das Kapitel weiter überarbeite. Danke!

    AntwortenLöschen
  3. öhm - whiteboard meinte ich natürlich :)

    AntwortenLöschen
  4. Hello I am so delighted I found your blog page, I really found
    you by error, while I was researching on Digg for something else, Anyhow I am
    here now and would just like to say thank you for a incredible post
    and a all round interesting blog (I also love the theme/design), I don't have time to browse it all at the minute but I have saved it and also added in your RSS feeds, so when I have time I will be back to read more, Please do keep up the fantastic job.
    Here is my web blog - increase youtube views

    AntwortenLöschen
  5. It's an awesome article for all the internet viewers; they will take advantage from it I am sure.

    My weblog: http://www.saycheeseforfun.com/Blog/post/2013/03/07/Five-Quick-Ways-to-Have-More-Fun-at-a-Wedding-Reception.aspx **

    AntwortenLöschen
  6. Very rapidly this website will be famous amid all blogging and site-building visitors, due
    to it's good articles or reviews

    my web-site ... Buy Steroid Powders

    AntwortenLöschen
  7. Its like you read my thoughts! You seem to understand so much approximately this,
    like you wrote the e book in it or something. I think that you
    just could do with a few % to power the message home a bit,
    however instead of that, this is fantastic
    blog. A fantastic read. I'll certainly be back. pr3sp4birlik
    Regards - online casino (prespa-birlik.se)

    AntwortenLöschen